Bullen, Bären und geschlossene Fonds Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefan Göbel   
Dienstag, 29. September 2009 um 11:53
Die aktuelle Entwicklung an den Wertpapiermärkten gibt Anlass zu Hoffnung und Skepsis zugleich. Die richtige Anlagestrategie ist daher von überragender Bedeutung. Geschlossene Fonds spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Weltweit nimmt das Anlegervertrauen in diesen Wochen beständig zu. Zum Ausdruck kommt dies insbesondere an den Wertpapiermärkten. Gerade der DAX setzte zu einem beeindruckenden Parforceritt an und erklimmt aktuell nach einem Anstieg von knapp 60% seit März 2009 ein Jahreshoch nach dem anderen – einmalig für diesen kurzen Zeitabstand in der Geschichte des deutschen Leitindexes.

Wie konnte es trotz des instabilen Umfeldes zu dieser Entwicklung kommen?

Der Aufschwung an den Wertpapiermärkten ist zu einem guten Stück liquiditäts- und stimmungsgetrieben. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise betrieben die Regierungen weltweit zur Stabilisierung der Volkswirtschaften eine expansive Geld- und Fiskalpolitik. Die daraus resultierende Liquiditätsschwemme suchte sich fast zwangsläufig ihren Weg an die Kapitalmärkte. Zudem profitierten die Börsen seit März vom einsetzenden Optimismus der Marktteilnehmer, der sich aus der einsetzenden Stabilisierung der Konjunktur(früh)indikatoren speiste. Aus Angst den Boom zu verpassen kehrten auch die Großinvestoren und institutionellen Anleger auf das Parkett zurück und schufen somit zusätzlichen Kaufdruck und steigende Kurse.

Gibt es positive Signale für das Fortbestehen der Hausse?

Trotz der rasanten Entwicklung an den Wertpapiermärkten sprechen einige Faktoren für einen weiteren Aufschwung. Staatlich induzierte Liquidität und enorme Mengen geparkten Geldes auf Termin- und Geldmarktkonten verunsicherter Anleger ist noch immer vorhanden. Liquidität steigert zudem die Eigenkapitalbasis von Banken, so dass diese mehr Kredite an die Privatwirtschaft ausgeben könnten. Unternehmen investieren diese und steigern dadurch ihre Gewinne. Zudem stellen sich viele Firmen in wirtschaftlichen Krisenzeiten neu auf. Restrukturierungen, Kosteneinsparungen und Prozessoptimierungen verbessern die künftige Profitabilität. So ist auch ein weiterer Aufschwung bei Abflachen des Liquiditätsdrucks durch steigende Unternehmensgewinne möglich.

Trotz der gestiegenen Kurse sind Aktien im langjährigen Vergleich zum Beispiel beim klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der Kurs-Buchwert-Bewertung zur Zeit noch relativ günstig bewertet. Historisch war ein Börsenaufschwung zudem oft typisch in Rezessionsjahren und kündigte einen mehrjährigen Aufschwung und steigende Aktienkurse an. Dies sehen auch immer mehr Anleger so und disponieren ihre Portfolios um. Aktienanteile werden aufgestockt, man geht wieder ins Risiko. Nachholbedarf haben dabei insbesondere auch Pensionskassen und Versicherungen. Der Druck zur Anpassung ist also nach wie vor vorhanden. Mit Verbesserung der zu erwartenden Wirtschaftsdaten könnten auch längerfristige Anleger an die Aktienmärkte zurückkehren, was das Rückschlagpotential vermindern dürfte.

Welche Gründe sprechen für einen Rückschlag an den Börsen?

Der schnelle Anstieg der Kurse weckt aber auch Skepsis und tatsächlich sprechen einige Faktoren gegen ein weiteres Ansteigen der Kurse. Die reale Wirtschaftsentwicklung ist trotz der positiven Zeichen nach wie vor unsicher. Ein selbsttragendes Wachstum ist noch nicht erreicht, somit besteht durchaus eine Rückschlaggefahr für die Wertpapiermärkte durch eine zu langsame Konjunkturerholung. Die Liquiditätsschwemme durch Konjunkturprogramme und staatliche Stützung der Banken könnte die Finanzmärkte von der Realwirtschaft abgekoppelt und damit Erwartungen in den Markt gebracht haben, die sich später als unberechtigt herausstellen könnten. Auch der Aufschwung des Dow Jones, wichtigster Taktgeber an den Weltbörsen, hat an Kraft verloren. Zudem gelten die Märkte aus technischer Sicht als überkauft. Es gibt nicht wenige mahnende Stimmen, die die aktuelle Entwicklung auf den Märkten nur für einen Zwischenspurt hin zu einer neuen Blase halten und vor einem neuen Crash, zumindest aber einem deutlichen Rückschlag und einer längeren Konsolidierung warnen.

An welchen Kriterien kann sich ein Anleger orientieren?

„Für die weitere Entwicklung der Wertpapiermärkte dürften insbesondere folgende Faktoren ausschlaggebend sein: Das Wirtschaftswachstums in den USA und China, die Ertragssituation der Unternehmen in den kommenden Monaten, die Entwicklung der Rohstoff- und Ölpreise als Spiegel der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie die allgemeine Dynamik der Erholung der Wirtschaft“, so der Wirtschaftsexperte Jürgen Hilp von der AAD Fondsdiscount.

Unabhängig von der aktuellen Marktsituation rät Jürgen Hilp bei der individuellen Anlagestrategie zur Diversifizierung des Portfolios, dabei insbesondere auch unter Berücksichtigung geschlossener Fonds: „Ein reines Engagement in nur eine Anlageform ist aus Chance/Risiko-Gesichtspunkten nicht zu empfehlen. Aber auch eine Verteilung des Vermögens über mehrere klassische Anlagesegmente schützte in der Finanzkrise oftmals nicht vor deutlichen Verlusten, da fast alle Assetklassen entgegen der weitläufig akzeptierten Portfoliotheorie von Markowitz parallel einbrachen. Zwar können sich geschlossene Fonds nicht vollkommen von den Auswirkungen einer krisenhaften Weltwirtschaft abkoppeln, dennoch sind sie im Vergleich zu anderen Anlageformen von der Börsenentwicklung weitgehend unabhängig und zielen auf nachhaltigen Erfolg und Rendite. Geschlossene Fonds bieten die Möglichkeit, in nicht an den Wertpapierbörsen gehandelte Assets direkt zu investieren. Sie tragen damit zur substantiellen Stabilisierung des Portfolios bei. Langfristiges Engagement zahlt sich hier aus und sollte auch Voraussetzung sein. Die optimale Zusammensetzung und Beimischung orientiert sich dabei am individuellen Anlagehorizont und der Risikoorientierung des Investors.“


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